Sicherheitswarnung bzgl. OpenSSL-/SSH-Schlüsseln
Hier aus aktuellem Anlass eine dringende Sicherheitswarnung:
Hintergrund ist, dass der bei der Generierung der Schlüssel eingesetzte Zufallszahlengenerator durch einen Programmierfehler nur ca. 32.000 unterschiedliche Werte liefert und somit die erzeugten Schlüssel leicht erratbar sind.
Betroffen sind insbesondere SSH-Schlüssel (~/.ssh/authorized_keys bei OpenSSH) und SSL-Zertifikate, die auf den genannten Systemen erzeugt wurden. Bitte beachten Sie, dass das Problem auch dann gilt, wenn die Schlüssel auf andere Systemen übertragen wurden.
Situation auf dem SCI-Login-Cluster
Die Endnutzer-Systeme des SCI-Clusters (Solaris-Server, Linux-Server, Windows-Server) sind nicht direkt betroffen. Falls Sie als Endnutzer jedoch einen SSH-Schlüssel von einem betroffenen (externen) System auf Ihren SCI-Account übertragen haben, so sollten Sie den Schlüssel schnellstmöglich erneuern oder löschen, um eine Kompromittierung Ihres Accounts durch externe Angreifer zu vermeiden. Wenden Sie sich ggf. an den SCI-Servicepoint.Da bereits Exploits existieren und auch verstärkt SSH-Scans aus dem Außennetz auftreten, haben wir uns entschlossen, den SSH-Zugang zu den SCI-Login-Servern vorübergehend auf das Uni-Netz zu beschränken. Ein SSH-Login von außen ist somit derzeit nur über das Uni-VPN möglich (http://www.rhrk.uni-kl.de/netzanschluss.html). Sobald klar ist, ob die von Debian bereitgestellten Fingerprint-Tests der Keys zuverlässig sind, werden wir die Beschränkung wieder aufheben.
Situation auf den dezentralen Systemen der Arbeitsgruppen
Bis zur Klärung der Verwundbarkeit der einzelnen Systeme sollte der SSH-Zugang von außen auf AG-lokale Systeme vorübergehend gesperrt (oder behelfsweise auf einen Nicht-Standard-Port verlegt) werden. AGen mit einer Außen-Firewall können dies zentral realisieren. Andernfalls müssen alle Rechner (Server und Arbeitsplätze) entsprechend präpariert werden.Ansonsten gelten für die Endnutzer bzgl. möglicherweise von verwundbaren Systemen importierter SSH-Keys die gleichen Regeln wie auf dem SCI-Login-Cluster. Wenden Sie sich hier ggf. an ihren lokalen Administrator.
Weitere Informationen
- Eine umfassende Beschreibung des Problems finden Sie unter (http://wiki.debian.org/SSLkeys). Dort ist auch ein Werkzeug zu finden, dass angeblich alle verwundbaren Keys identifizieren kann (siehe "dowkd.pl").
- Im Heide-Security-Artikel Der kleine OpenSSL-Wegweiser wird eine praktische Beschreibung der Auswirkungen und Gegenmaßnahmen gegeben.
- Einen kurzen Überblick können Sie auch der folgenden Mail des DFN-CERTs entnehmen.
Subject: [Win-sec] Schwache SSH-Keys From: Andreas BuntenDate: Fri, 16 May 2008 18:18:37 +0200 To: WIN-Security Liebe Kolleginnen und Kollegen, aufgrund der aktuell aufgedeckten Schwäche der von Debian-Systemen generierten SSH-Keys nochmal eine kurze Zusammenfassung. --- Die Schwachstelle --- Aufgrund einer ungünstigen Änderung im Sourcecode der Debian-Version von OpenSSL Version 0.9.8c-1, die am 17. Sept. 2006 in Debian Unstable einging, sind auf betroffenen Debian-Systemen generierte Schlüssel für SSH, OpenVPN, DNSSEC und X.509 Zertifikate (z.B. für S/MIME, IPSec und SSL/TLS) leicht vorherzusagen. Das Problem betrifft Debian und alle abgeleiteten Distributionen wie z.B. Ubuntu und Knoppix. Bitte beachten Sie, dass z.B. auch Netzwerk-Appliances betroffen sein können, denen nicht sofort anzusehen ist, dass auf ihnen Debian-Linux betrieben wird. Das bedeutet konkret, dass beim Generieren eines SSH-Schlüssels (z.B. RSA mit 2048 Bit Länge) auf einem betroffenen System, immer einer aus einer Menge von 32.767 möglichen Schlüsseln generiert wurde. Das Problem wurde von den Debian-Entwicklern korrigiert, aber die vorhersagbaren Schlüssel sind danach noch im Umlauf! --- Mögliche Angriffe --- Verschiedene Personen haben diese 32.767 möglichen Schlüssel jeweils für RSA und DSA und verschiedene Schlüssellängen erzeugt und im Netz zum Download angeboten. Dadurch ergeben sich unter anderem zwei Angriffs-Szenarien: 1. In der authorized_keys Datei eines Benutzers ist ein auf einem Debian System erstellter Schlüssel eingetragen worden. Mit Hilfe eines Skriptes kann ein Angreifer nun alle möglichen Schlüssel durchprobieren und versuchen sich z.B. als root anzumelden. Das betroffene System muss dabei nicht Debian sein; der Schlüssel musste lediglich dort erzeugt worden sein! Um alle möglichen Benutzer mit allen Schlüsseln durchzuprobieren sind sehr viele Versuche notwendig. Weiß der Angreifer aber, dass ein bestimmter Benutzer einen verwundbaren SSH-Schlüssel verwendet, so ist der Angriff leicht durchführbar. 2. Der SSH Hostkey wurde auf einem Debian System erstellt. Der Angreifer verbindet sich einmal zu diesem System, um den Fingerprint des Hostkeys zu erhalten. Anhand des Fingerprints kann er den Schlüssel bestimmen, um danach einen Man in the Middle Angriff gegen legitime Benutzer des Systems durchzuführen. Für die erfolgreiche Ausnutzung der Schwachstelle muss der Angreifer die Verbindung des Benutzers abfangen können (z.B. in einem Wlan Netzwerk). --- Erkennung verwundbarer Schlüssel --- Sowohl Debian als auch Ubuntu haben Tools für die Suche nach verwundbaren Schlüsseln bereitgestellt (z.B. ssh-vulnkey von Debian). Weiterhin kursiert ein Perl-Skript zum Testen von Schlüsseln, das etwas leichter unabhängig vom verwendeten System eingesetzt werden kann: http://security.debian.org/project/extra/dowkd/dowkd.pl.gz http://security.debian.org/project/extra/dowkd/dowkd.pl.gz.asc Bei allen Tools ist momentan leider nicht klar, ob sie wirklich alle betroffenen Schlüssel erkennen. --- Erkennung eines Angriffs --- Die aktuelle Version der OpenSSH von Debian verweigert Logins von bekanntermaßen betroffenen Schlüsseln. Login-Versuche per SSH-Schlüssel werden von der OpenSSH nur protokolliert, wenn der Loglevel mindestens auf VERBOSE steht ("LogLevel VERBOSE") -> May 16 17:43:59 linux sshd[16613]: Connection from 10.0.0.13 port 39797 --- Gegenmaßnahmen --- Die aktualisierten Pakete sollten auf allen betroffenen Debian-Systemen bzw. Debian-Derivaten eingespielt werden. Um einen Man in the Middle Angriff zu vermeiden sollten dann alle betroffenen Hostkeys neu erzeugt werden; eine Anleitung dazu wurde im Debian Advisory gegeben. Damit sich kein Angreifer direkt an einem System anmelden kann, sollten Referenzen auf verwundbare Schlüssel aus allen authorized_keys Dateien entfernt werden. Weil die Suche mit oben genannten Tools zeitaufwendig und nicht immer eindeutig ist, sollte ggf. in der Zwischenzeit ein Workaround angewandt werden. Die bisher veröffentlichten Exploits versuchen sich als root am einem möglicherweise betroffenen System anzumelden. Die authorized_keys Datei von root sollte daher als erstes kontrolliert werden und ggf. das Login als root per SSH deaktiviert werden. Ein gezielter Angriff gegen einzelne Benutzer ist dann aber weiterhin möglich. Als Workaround könnte daher das Login per SSH-Schlüssel deaktiviert werden. Grundsätzlich ist dies sehr ärgerlich, weil ein Anmelden nur per SSH-Schlüssel einen wirksamen Schutz gegen die weiter sehr verbreiteten SSH Passwort-Rate-Angriffe darstellt. Den Workaround sollte man daher nicht länger als notwendig beibehalten. Mit freundlichen Grüßen, Andreas Bunten -- Andreas Bunten (CSIRT), +49 40 808077-555 DFN-CERT Services GmbH, https://www.dfn-cert.de, Phone +49 40 808077-555 Sitz / Register: Hamburg, AG Hamburg, HRB 88805, Ust-IdNr.: DE 232129737 Sachsenstrasse 5, 20097 Hamburg/Germany, CEO: Dr. Klaus-Peter Kossakowski
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